Am 16. Juli 2008 war es soweit,ich bin in die Klinik gekommen. Es gab keine andere Lösung mehr, meine Bulimie hat mein Leben beherrscht. Obwohl ich im März 2008 meinen jetzigen Freund (den sexy Doktoranden) kennengelernt habe und mein Leben etwas besser wurde, war dieser Schritt notwendig.

Ich habe zwar mit dem sexy Doktoranden wieder an Lebenswillen gewonnen und es ging mit dem Gewicht auch wieder nach oben, denn schließlich hatte ich wieder jemanden, mit dem ich zusammen essen konnte und da habe ich mich natürlich sehr zusammen gerissen und mich nicht übergeben. Dennoch war mein Leben ein riesiges Chaos: Ich war zu depressiv und schwach, um zur Uni zu gehen, also habe ich den ganzen Tag zu Hause rumgehangen (dabei habe ich gefressen und gekotzt) und darauf gewartet, dass der sexy Doktorand mich anruft, damit ich zu ihm komme.Das war mein Tagesablauf: 3 mal am Tag fressen und kotzen und hoffen, dass ich am Abend zum sexy Doktoranden fahren kann. Nicht besonders lebenswert, wenn man ehrlich ist.

Es musste sich also etwas ändern. Ich hatte meinem sexy Doktoranden von Anfang an gesagt, wie es um meine Bulimie steht und er hat mir gesagt, dass ich dringend Hilfe brauche.

Nachdem dann endlich alles klar war mit der Krankenkasse, war ich dann am 16. Juli 2008 auf der Station für Essgestörte in der psychosomatischen Abteilung. Jeder, der vielleicht Angst hat in eine solche Klinik zu kommen, der braucht diese Angst nicht zu haben.Man wird dort als Mensch angesehen, der ein schweres Problem hat, aber nicht als ein verrückter Psycho. Ärzte, Schwestern, Pfleger und Therapeuten nehmen die Essstörung ernst. Ich hatte das Gefühl, dass mir diese Menschen helfen wollen und mich dabei unterstützen aus der Hölle der Bulimie zu entkommen.

Das haben sie auch getan, ich hatte Einzel- und Gruppentherapie, dazu Kunst- und Bewegungstherapie und in der Kochgruppe haben wir jede Woche eingekauft und für Alle etwas gekocht. Ich musste ein Essprotokoll führen und mit Ärzten meine Probleme beschprechen.Das hat mir geholfen, ich hatte 24 Stunden einen Ansprechpartner, konnte mit meinen Krisen und Problemen zum Pflegepersonal kommen, das war es, was mir geholfen hat: Zum Einen das disziplinierte essen, was ich überhaupt erst wieder lernen musste und dazu die Aufarbeitung meiner psychischen Probleme (von denen ich eine Menge habe und mit denen ich bis heute noch konfrontiert bin in meiner weiteren ambulanten Therapie).

Es war schon hart, das ist klar, ich durfte drei Wochen das Klinikgelände nicht verlassen, aber diese Zeit habe ich auch gebraucht, um wieder zu mir selbst zu finden. Während der Klinikzeit haben mich natürlich der sexy Doktorand und auch viele liebe Freunde besucht (natürlich darf man in einer Klinik auch Besuch empfangen) und mir geholfen.

Diese acht Wochen in der klinik haben mich sehr weitergebracht, ich habe wieder erkannt, dass mein Leben einen Sinn hat und dass ich wertvoll bin. Vor der Klinik habe ich gedacht, dass von mir nichts mehr übrig wäre, dass die Bulimie mich vollständig in Besitz genommen hätte. Aber in diesen acht Wochen habe ich gemerkt, dass ich eine Person bin, die es wert ist ein schönes Leben zu führeen.

Das möcht ich allen Mensch mit auf den Weg geben, die vor einem stationären Aufenthalt Angst haben: Ihr braucht diese Angst nicht zu haben.Die Menschen, die euch in einer Klinik helfen, halten euch nicht für Irre, sondern sie wissen, was eine Essstörung mit einem Menschen anrichten kann. Es gibt diese Hilfe von Ärzten, Therapeuten und Pflegepersonal, also nehmt diese Hilfe bitte in Anspruch.Manchmal ist der Punkt erreicht, dass man sich selbst nicht mehr helfen kann und dann braucht man Hilfe.Professionelle Hilfe, nehmt diese bitte in Anspruch, denn sie kann euer Leben wieder lebenswert machen.

Das versuche ich seitdem, es ist nun Februar 2010, mein Leben ist weitesgehen geordnet und ich habe Spaß an meinem Leben, aber mein gewicht ist eine sache für sich...