Als ich klein war,war alles toll,wir haben auf einem Bauernhof gelebt,ich hab mich gefreut,dass ich ein kleines süßes Schwesterchen hatte und mein Leben war wie in einem Bilderbuch.Dann sind wir in die Stadt gezogen,in der ich immernoch wohne,ich bin in die Schule gegangen,meine kleine Schwester in den Kindergarten und ich dachte alles wäre in Ordnung.Aber dann fing es bei meiner Mutter mit den Depressionen an,sie war jeden tag schlecht drauf,hat geweint und ich hab einfach nicht verstanden,was mit ihr los ist.Mit 8 Jahren hab ich es dann gemerkt,mein Vater hatte eine andere und wollte sich von meiner Mutter trennen.Daraufhin stand meine Mutter eines Tages vor dem Fenster (im 5.Stock) und sie sagte,sie würde herausspringen,wenn mein Vater nicht zurückkäme.Mein Vater kam zurück und hat seine Affäre beendet,das war das erste Drama,das ich miterlebt habe...

 Danach haben die beiden versucht es miteinander hinzukriegen,aber das hat einfach nicht funktioniert.Meine Mutter hat sich dann von meinem Vater getrennt als ich 10 Jahre alt war.So super einfach war es natürlich nicht,alleinerziehende Mutter mit zwei kleinen Kindern,wobei ich natürlich oft die große Freude hatte auf meine kleine Schwester aufzupassen.Zu meinem Vater hatte ich die ganze Zeit Kontakt,obwohl ich damals schon gemerkt habe,dass er ein Alkoholproblem hat.Manchmal,wenn wir ihn besuchen sollten,hat er einfach nicht die Tür aufgemacht und wenn wir dann mal bei ihm zu Besuch waren,dann sind mir die vielen leeren (Weinbrand-) Flaschen aufgefallen.

Als ich 13 Jahre alt war wollten meine Eltern es nochmal miteinander versuchen.Wir sind in ein neue Wohnung gezogen und die ersten Wochen war auch alles prima, wie eine richtig glückliche Familie,nur dann kam leider die psychische Erkrankung meiner Mutter wieder zum Vorschein.Sie hatte nicht nur Depressionen,sondern ein schlimme Psychose entwickelt.Sie konnte nicht mehr aus dem Haus gehen,weil sie sich beobachtet fühlte,vor dem Fernseher hatte sie Angst weil da angeblich Geister rauskamen und meinen Vater,meine Schwester und mich hat sie auch öfter für Spione von irgendeinem seltsamen Geheimdienst gehalten (den es in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt).Es wurde so schlimm,dass sie auf die geschlossen Abteilung in einer Psychiatrie kam,weil die Ärzte nicht wussten,ob sie sich umbringen wollte oder nicht.Für mich war das eine furchtbare Zeit.Mein Vater war den ganzern Tag arbeiten,ich musste meiner kleinen Schwester bei den Hausaufgaben helfen und aus unserem Umfeld hieß es die ganze Zeit: "Du bist die Älteste,jetzt musst du Verantwortung übernehmen und das alles irgendwie hinkriegen". Ich hatte also meine eigenen Probleme,meine Mutter in der Psychiatrie,meinen ständig arbeitenden Vater,meine kleine Schwester und den Haushalt.All das sollte ich hinkriegen,weil ich ja die "Älteste" war,das Kind,auf das Papa stolz sein wollte.Ich hab diese ganzen Verpflichtungen geschafft,ich war für alle da und hab alles geregelt,mit 13.Ich hab das nur geschafft,weil ich mir jeden Abend den Arm aufgeritzt habe und ich spreche hier nicht von so "Ich hab mal ne deprei Phase und kratz mal ein bisschen an meinem Arm rum".Ich hab mir so tiefe Wunden zugegügt,dass sie mit meinen 23 Jahren noch überdeutlich sind und ich werde sie mein leben lang nicht los,weil ich so tief in meinen linken Arm geschnitten habe.Ich hab die Situation nicht anders ausgehalten als durch Selbstaggressionen.Ich glaube es gibt hier nicht viele Menschen,die wissen,wie es auf einer geschlossenen Abteilung zugeht,es gibt dafür keine Worte,das muss man selbst erlebt haben,mehr sag ich dazu nicht.

Jedenfalls ging es meiner Mutter in der Psychiatrie immer besser,sodass sie auch in eine Tagesklinik konnte,bei der man ja abends wieder zu seiner Familie nach Hause kann.Ich war damals 14 und hab mich so erleichtert gefühlt.Ich dachte mit unsere Familie geht es jetzt aufwärts,aber leider hielt dieser Gedanke nur einen kurzen Sommer.Denn mein Vater,meine Schwester und ich sind dann für drei Wochen zu meinen Großeltern gefahren (die Ärzte meinten meine Mutter sei noch nicht stabil genug für so lange Reisen).An dem Tag als wir wiederkamen,war ich voller Glück,ich hab mich so gefreut meine Mama wiederzusehen,ich wollte,dass wir wieder eine richtige Familie sind,alle zusammen.Ich hatte so große Hoffnungen und sie wurden enttäuscht-Meine Mutter hat verkündet,dass sie sich von meinem Vater trennt und die Scheidung will (damals konnte ich nicht verstehen,dass meine Mutter sich trennen sollte,aber wenn ich überlege,was für ein Alkoholproblem mein Vater hatte,dann wundert es mich nicht mehr).Das war der Tag,an dem ich mich das erste mal übergeben habe.Meine Mama hatte zu unserer Ankunft Spaghetti Bolognese gekocht und als wir gegessen haben und sie danach diese Nachricht verkündet hat,wusste ich mir nicht anders zu helfen,als mich zu übergeben.Das Schneiden hat als Hilferuf nichts getaugt,weil meine Eltern es einfach nicht ernst genommen haben (mein Vater hat meine Schnitte einmal bemerkt und das einzige,was er sagte war:"Wenn du dich noch einmal schneidest,hacke ich dir denm Arm ab.",sehr einfühlsam...).Naja ab da fing das mit dem Kotzen an und ich hab nie wieder in meinem Leben Spaghetti Bolognese gegessen ohne zu kotzen,egal wo und wie (Soja-Bolognese zählt nicht!)

Meine Eltern haben damals,als sie sich getrennt haben entschieden,dass es besser wäre,wenn wir bei meinem Vater wohnen,denn meine Mutter hatte mit ihren psychischen Problemen so viel zu tun,dass sie die Erziehung wohl gar nicht auf die Reihe bekommen hätte.Also hat mein Vater versucht,es mit zwei Mädchen aufzunehmen.Erst hat er versucht uns zu drillen (also alles Schöne verboten,nur lernen),aber er hat relativ schnell gemerkt,dass das bei Mädchen im Alter von 15 (ich) und 11 (meine Schwester) nicht viel hilft.Mein Vater wusste nicht,wie er mit uns klarkommen soll und wir beide wussten nicht,wie wie mit ihm klarkommen sollen.Es war eine echt schlimme Zeit,mein Vater war manchmal so betrunken,dass er sagte: "Ich wünschte ich hätte nie Kinder bekommen,ihr seid so furchtbare Kinder,ich schäme mich für euch!" Obwohl meine Schwester und ich immer sehr gute Noten mit nach Hause gebracht haben.Es haben sich auch ab und zu die Nachbarn beschwert und die Polizei hatten wir auch schon mal im Haus,weil mein Vater gedroht hat,sich im Keller aufzuhängen-Nachdem mein Vater solche Drohunghrn ausgestoßen hat wusste ich mir nicht mehr anders zu he.fen als die Polizei zu rufen,Mein Vater war die ganze Zeit überfodert,mit sich selbst und mit uns zweien und sein eiziger Ausweg war der Alkohol.

Als ich dann so etwa 16 war wurde es zu Hause mit meinem Vater besser,denn er hatte in dem Ort,wo meine Großeltern leben und wo wir auch öfter in den Ferien hingefahren sind,eine Frau kennengelernt.Die Frau war echt nett (meine Mutter hatte zu der Zeit auch einen neuen Mann kennengelernt) von daher sprach nichts dagegen.Mein Vater wurde viel entspannter,er hat das mit dem Alkohol hinbekommen (seitdem er seine Freundin hatte,hat er VIEL weniger getrunken), es schien alles wieder gut zu laufen.Meine Mutter und mein Vater hatten einen neuen Partner und das beste war:Mein Vater und meine Mutter konnten wieder ganz normal miteinander reden.Sie haben sich gegenseitig besucht und Kaffee getrunken,miteinander telefoniert (hauptsächlich natürlich wegen uns Kindern).Es war echt eine Zeit wo ich dachte: Ok,meine Mama hat einen neuen Mann,mein Papa hat eine neue Frau,aber solange sie sich gut miteinander verstehen und uns Kinder lieb haben,wird schon alles gut gehen.

Ich dachte es würde alles gut gehen,bis zum 23.Oktober 2003.An dem Tag wollte mein Vater seine Freundin für ein paar Wochen zu uns holen.Es waren Herbstferien und sie sollte sich mal anschauen,ob sie sich vorstellen kann zu uns zu ziehen (Die Entfernung betrug ca. 1200 km).Mein Vater wollte sie alleine abholen,aber meine Schwester wollte unbedingt mit,weil sie meine Großeltern sehen wollte, die in denselbem Ort wohnen.

Mein Vater und meine Schwester sind nie dort angekommen,denn 100 km bevor sie am Ziel waren sind sie mit dem Auto verunglückt.Ich war 17,hab bei meinem alleinerziehenden Vater gewohnt,der verstorben ist. Meine Mutter war nach so einem Schock erstmal psychisch fertig (wieder Psychiatrie) und ich wusste nicht so richtig,wo ich wohnen sollte.Nachdem ich für 2 Monate in einer Wohngruppe von der Diakonie gelebt hab.Habe ich dann eine eigene Wohnung bekommen und hatte einen Betreuer,der mir geholfen hat,mit meinem Leben klarzukommen.Zum einenm natürlich die ganzen rechtlich/finanziellen Sachen,dann die Abi/Studium Sachen und natürlich auch emotional/psychisch.Aber eine Sache ist doch ziemlich wichtig,wenn ich in all der schweren Zeit meinen Ex-Freund nicht gehabt hätte,ich weiß nicht,ob ich heute noch hier wäre... ER hat mir in all den Jahren beigestanden und mir geholfen (er war ja auch der meine Bulimie an meiene Mutter gemeldet hat)!