Hab mir letztens meine Unterseiten noch mal angeschaut und die sind zum größten Teil sehr veraltet,wen wundert es,wo ich doch 2007,also vor fünf Jahren den Blog eröffnet habe.Ich bin jetzt 26 und wie es die Überschrift schon sagt,ich möchte mal zurückblicken,auf das,was für mein Leben wichtig war und mich geprägt hat und mich zu dem Menschen gemacht hat,der ich heute bin.

Als ich 8 war wollte mein Vater sich von meiner Mutter trennen,weil er sich in eine jüngere Arbeitskollegin verliebt hat,meine Mutter stand stundenlang am offenen Fenster und wollte sich hinabstürzen (4. Etage),was mein Vater,meine Schwester und ich verhindern konnten,aber es war so ziemlich mein erstes schlimmes Ereignis in meinem Leben.Dass die Mama auf der Schwelle steht und aus dem Fenster springen will,um sich zu umzubringen.Mein Vater hat diese Frau verlassen und sich mit meiner Mama wieder zusammengerauft,obwohl spätestens da klar war,dass sie Depressionen hatte (im Nachhinein kann man sagen,dass es schon anfing als meine kleine Schwester geboren wurde und meine Mama postnatale Depressionen hatte,die sich noch weiter verfestigt haben).Dann ging es wieder und als ich 10 Jahre alt war hatte meine Mama so eine Phase,dass sie gemerkt hat,dass mein Vater ihr nicht gut tut,denn er hat sie oft fertig gemacht (weil er sie zu dick fand und ich hab oft so Sätze gehört wie: "Du bist zu fett,als dass man dich lieben könnte!",die sich sehr tief in mein Gedächtnis eingebrannt haben) und außerdem hat mein Vater schon immer getrunken,schon seit meinen frühesten Erinnerungen kenne ich ihn betrunken.

Ich war also 10 Jahre alt und meine kleine Schwetser und ich haben bei meiner Mama gewohnt,wir haben schon gemerkt,dass es ihr manchmal nicht gut ging,dann musste ich mit meiner Schwester die Hausaufgaben machen oder mal was zu essen machen und die Wäsche aufhängen,aber ich war ja schon groß und hab die Verantwortung gern übernommen.Wir haben in der Zeit auch unseren Vater besucht,meistens war es ganz ok,wir sind häufig sonntags mittags zu ihm gefahren,oft sind wir dann in das chinesische Restaurant in seiner Nähe gegangen,manchmal waren wir auch bei ihm zu Hause,aber selten und ich habe mich auch immer gefragt,was diese vielen Flaschen in der Küche sollen (es waren leere Weinbrandflaschen).Manchmal hat mein Vater auch die Türe nicht aufgemacht.Wir standen da,meine Schwester und ich,haben geklingelt,man hat gemerkt,dass sich in der Wohnung etwas bewegt,aber mein Vater hat die Tür nicht geöffnet (heute denke ich,dass er da wohl zu viel getrunken hat und uns nicht reinlassen wollte,wahrscheinlich auch besser so),aber wir standen vor der Tür und wussten nicht,was wir falsch gemacht haben.Denn es war ja unser Papa,der uns sehen wollte und dann stehen wir vor der Tür und er macht nicht auf.

Die Jahre vergingen,ich war 13 Jahre alt und meine Mama wollte umziehen in ein neu gebautes Wohnhaus.Mein Papa war ein toller Handwerker und so hat meine Mama ihn gefragt,ob er nicht einige Dinge für die neue Wohnung machen könnte,das hat er getan,meine Eltern waren wieder öfter in Kontakt und haben zueinander gefunden.Sie waren wieder richtig verliebt und wir haben wieder zu viert geplant: Wir wollten zu viert in die neue Wohnung einziehen und es sollte ein Neuanfang werden.Der Anfang war auch gut,aber dann kam die Krankheit meiner Mutter erst so richtig raus,es waren nicht nur Depressionen,sie hat eine richtige Psychose entwickelt,mit Stimmen,die ihr sagen,dass sie jemanden umbringen soll,also wirklich krass.Meine Mutter hat sich die ganze Zeit beobachtet gefühlt.Ich kam von der Schule,den einen Tag sagte sie mir: "Du bist ein Spion,du bist vom Geheimdienst,du bist nicht meine Tochter,du tust nur so,du bist mein Feind." und am anderen Tag hieß es: "Im Fernseher sind Geister,du darfst den Fernseher nicht einschalten,denn sie beobachten uns."Was soll man da als 13-Jährige denken?Ich wusste nicht damit umzugehen und aus einem unerfindlichen Grund (es ist mir bis heute nicht wirklich klar) habe ich in meinem Zimmer einen Bleistift genommen,ihn ganz doll angespitzt und mir den Arm aufgeritzt.Ich war zu der Zeit voll fixiert auf Anthony Kiedis (den Sänger der Red Hot Chili Peppers,der auch viele schwere Zeiten durchgemacht hatte) und ich habe mir ANTHONY KIEDIS  in zwei Zeilen,also Vor- und Nachname untereinander mit Bleistift reingeritzt.Jeden Buchstaben einzeln,bis es geblutet hat und das habe ich fast jeden Tag getan.Ich hab mir meine (MTV-Biorhythm-Videos,für die älteren,die es vielleicht noch kennen) Red-Hot-Chili-Peppers-Videos reingezogen,mein Zimmer abgeschlossen und mir mit dem Bleistift den Arm blutig geritzt (man kann es immernoch auf der Oberseite meines linken Unterarms lesen,auch wenn die Narben mit den Jahren natürlich etwas verblasst sind).

Meiner Mutter ging es immer schlimmer,sie ist nicht mehr aus dem Haus gegangen und war meistens lethargisch,mit der Psychose wurde es so schlimm,dass sie auf die geschlossene Station eine Psychiatrie eingewiesen wurde,dort haben wir sie besucht und es war wirklich nicht angenehm.Hab meine Mutter kaum wiedererkannt (weil sie so unter Medikamenten stand,die sie stabilisieren sollten) und die Mitpatienten waren echt krass.Da war eine Frau,die sich meinem Vater an den Hals geschmissen hat,obwohl sie ihn vorher noch nie gesehen hatte, und ihm sagte,dass sie ihn liebe und ihn heiraten wolle,bis die Pflegekräfte sie weggebracht haben.Irgendwann habe ich auch angefangen,mich mit Rasierklingen zu schneiden und manchmal habe ich m´nicht mal einen Verband drum getan,sondern bin mit den Schnitten offen rumgelaufen (auch in der Schule,aber da fiel es keinem Lehrer auf).Ich wollte ja,dass jemand es sieht,dass es mir schlecht geht und ich mit der Situation überfordert bin.Es hat eine ganze Weile gedauert bis es meinem Vater aufgefallen ist und das einizge was er dazu sagte war: "Wenn ich das nochmal sehe,dann hacke ich dir den Arm ab."Damit war die Diskussion beendet,hab mich dann einfach an unauffälligeren Stellen z.B. an den Hüftknochen geschnitten und am Handgelenk unter den Uhr.

Wir haben meine Mama dennoch regelmäßig besucht und dann kam sie auch wieder heim und alles schien gut.Im Sommer 2000 wollten wir zu meinen Großeltern fahren,weiter weg,aber die Ärzte meinten,dass meine Mama noch nicht so weit weg fahren dürfte.Also ist sie zu Hause geblieben und mein Papa,meine Schwester und ich sind für drei Wochen zu den Großeltern.Als wir zurückkamen waren wir ganz freudig,aber an demselben Tag hat meine Mama meinem Papa gesagt,dass sie sich trennen will und es so nicht mehr weitergeht.Meine Mama hatte an dem Tag zur Begrüßung Spaghetti Bolognese gekocht und ich dachte mir: Das mit dem Ritzen und Schneiden haben meine Eltern nicht mitbekommen,vielleicht sollte ich kotzen,damit sie merken,dass es mir richtig schlecht geht.Also habe ich gekotzt,ich war 14 Jahre alt.

Es war dann besser bei meinem Vater zu wohnen,meine Mutter kam mit ihrer psychischen Erkrankung einfach nicht zurecht und sie konnte einfach nicht zwei Mädels im Alter von 14 bzw. 11 Jahren erziehen.Nicht,dass mein Vater es so gut gemacht hätte.Er hat öfter getrunken,war cholerisch und hat dann so Dinge gesagt wie:"Du bist an allem schuld.Du bist die schlimmste Tochter,die man sich vorstellen kann,du machst immer alles falsch.Du bist es nicht wert geliebt zu werden und dich wird auch nie jemand lieben,weil du so wertlos bist."

Einmal hat er sogar gesagt,dass er in den Keller gehen würde,um sich zu erhängen,weil er es mit mir und meiner Schwester nicht mehr aushält.Ich hab aus lauter Verzweiflung die Polizei gerufen,da kam mein Vater gerade aus dem Keller und sagte den Polizisten,dass meine Schwester und ich was falsch verstanden hätten (klar um 2 Uhr nachts braucht man ja auch dringend ein Werkzeug aus dem Keller,sehr glaubwürdig),aber die Polizisten konnten da nichts machen.Es war also eine ziemlich krasse Zeit bei meinem Vater,ich war mitten in der Pubertät und hatte schon mit 15 übelst zu kämpfen gegen das Schneiden, das Kotzen und AFM.(Meine besten Freundinnen haben schon damals versucht,mich zu einer Therapie zu überreden).Es gab auch immer so Situationen,dass mein Vater versucht hat vor allem mich mit Essen zu bestrafen.Er wusste,dass ich Hausarreste nicht so schlimm finde,deswegen hat er dann oft so sachen gekocht wie Leber oder Hühnerherzen,die ich absolut ekelhaft fand,was er natürlich wusste.Wir haben dann bis zu 3 Stunden am Esstisch gesessen und durften nicht aufstehen,bevor der Teller leer war und man sollte dazu sagen,dass mein Vater uns den Teller gefüllt hat,wir durften die Portionen nicht selbst aussuchen.Er hat auch ab und zu mal sowas gebracht wie,dass er mir eine Schüssel auf den Tisch gestellt hat und dazu meinte: "Wenn du das Essen auskotzt,dann musst du die Kotze aufessen.Du stehst nicht auf bevor der Teller nicht leer ist."

Dann lernte ich ja auch noch meinen EX-Freund kennen,aber darüber möchte ich gar nicht mehr schreiben,denn es gibt ja die entsprechende Unterseite zu meinem Ex.Ich hab mich also in meinen Ex verliebt und mein Papa war dagegen,mittlerweile war diese Hölle aus Alkohol (Papa) und psychischen Erkrankungen (Mama) halbwegs gemildert,da meine Elterne geschieden waren und jeder einen neuen Partner hatte (es wurde zwar wirklich besser,aber ich habe so viele Narben von damals und ich hab mir so oft den Finger in den Hals gesteckt und AFM genommen),aber es ging soweit ganz gut und man kann sogar sagen,dass wir wieder ein Familienleben hatten.Mein Vater hat kaum noch getrunken und auch meiner Mutter ging es sichtlich besser.

Dann kam der 23. Oktober 2003: Mein Vater wollte seine neue Freundin abholen,die im Ort meiner Großeltern wohnte,also recht weit weg.Denn sie haben überlegt,ob sie zu uns zieht und in den Herbstferien wollten wir quasi mal "auf Probe" zusammenleben.Mein Vater wollte alleine fahren,aber meine kleine Schwester (damals 13) wollte unbedingt mitfahren,um die Großeltern zu sehen.100 km vor dem Ziel sind sie verunglückt,meine Schwester war sofort tot und meinen Vater haben sie noch zwei mal operiert am Schädel und an der Wirbelsäule,aber er hat es nicht überlebt,die Verletzungen waren zu schlimm.Von einem auf den anderen Tag war mein zu Hause weg.Ich hab mit meiner Schwester bei meinem Papa gewohnt,ich bin gerade in die 12. Jahrgangsstufe gekommen.Der Unfall war in den Herbstferien,hab erst bei Freundinnen gewohnt,dann kurz in einem Jugendheim von der Diakonie und dann hab ich mit Unterstützung des Jugendamtes mit 17 eine eigene Wohnung bekommen.Meine Mama war durch den Unfall so fertig,dass sie wieder in die Psychiatrie musst und sich nicht um mich kümmern konnte.Ich bin nach den Herbstferien wieder zur Schule gegangen ohne Pause oder so,ich bin zur Schule als wäre nie was gewesen und am Ende habe ich mein Abi mit 1,9 gemacht.(Schon ziemlich krank,vor dem Abi sterben Vater und Schwester bei einem Autounfall und ich mache einfach weiter und schaffe mein Abi mit einem 1,er Schnitt).

Dann ging es weiter mit Uni,alles lief relativ glatt.Ich hab zwar ziemlich viel gewogen aber ich hab mich relativ wohl gefühlt,ich war damals mit meinem Ex-Freund zusammen,der mir sehr viel gegeben hat und mich wirklich unglaublich unterstützt hat nach dem Autounfall.Aber dann wurde er immer eifersüchtiger und meinte,dass ich nur studieren würde,damit ich andere Kerle kennenlerne und ich würde ja sowieso fremdgehen.Es gab viele Probleme zwischen uns,seine Eifersucht war eines davon,aber meine Bulimie/Depressionen/SVV haben auch dazu beigetragen,dass es mit uns bergab ging und als wir uns getrennt haben ging es mit mir richtig tief runter.Es war alles sehr kompliziert im Mai 2006,aber ich hab mich getrennt,weil ich mich in jemanden verliebt habe,der im nachhinein auch nichts von mir wollte.Seitdem ging es mit mir bergab (ich hatte zwar noch Kontakt zu meinem Ex-Freund und wir haben auch noch eine ganze Weile miteinander geschlafen,aber es war nicht mehr dasselbe).

Seit 2007 hab ich gehungert,gekotzt,AFM genommen wie bescheuert,ich habe es geschafft von 74 auf 51 kg zu kommen.Ihr könnt es ja nachlesen,seit September 2007 habe ich ja den Blog.Ich habe mich runtergehungert,Depressionen haben mich völlig lahm gelegt bis nichts mehr ging.Selbst die Uni,die immer mein größter Stolz war, konnte ich nicht mehr bewältigen und es war dann doch mein Ex-Freund,der meine Mama anrief und ihr sagte: "Ich schaue Charlotte nicht beim sterben zu.Wenn sie so weitermacht ist sie irgendwann tot und das kann ich nicht mehr mitmachen.Wenn sie so weiter macht, dann richtet sie sich zugrunde."

Von da an,war ich auf Therapeutensuche und als ich dann das Erstgespräch bei meinem Therapeuten hatte,meinte er,dass er eine Psychotherapie zu dem Zeitpunkt nicht verantworten könne,denn ich bräuchte erstmal einen stationären Klinikaufenthalt,um das Gröbste zu beseitigen und mich auf eine Therapie einlassen zu können.Im März 2008 hab ich ja dann den sexy Doktor kennengelernt und nach einem Monat kamen wir auch zusammen,trotz all meiner Probleme,von denen ich ihm offen erzählt habe und des Altersunterschieds von 19 Jahren.

Ich bin also im Juli 2008 in eine psychosomatische Klinik gegangen und das war eine verdammt gute Entscheidung,denn ich konnte einige meiner Probleme angehen (wenn auch nicht ganz bewältigen), aber die Klinik war ein wichtiger Schritt zurück ins Leben.Ich habe danach direkt mit der Einzeltherapie weitergemacht und mir auch bald eine Gruppentherapie gesucht (die musste ich dann selbst bezahlen,denn nach der Klinik hatte ich die Wahl zwischen Einzel- und Gruppentherapie,aber ich fand die Gruppentherapie so wertvoll,dass ich die dann selbst bezahlt habe).Ich habe es gebraucht,um ins Leben zurück zu finden.Ich hab mein Studium wieder aufgenommen und bin nach der Klinik auch direkt zu dem sexy Doktor gezogen,damit ich nicht mehr in mein altes Leben zurück muss.Ich war nach der Klinik so motiviert,die Bulimie hinter mir zu lassen und anfangs ging es auch ganz gut,aber nach einem halben Jahr kamen die Rückfälle und sie häuften sich.Ich habe mich weder bei der Einzel- noch bei der Gruppentherapie getraut, zuzugeben,dass ich einen Rückfall hatte.Oktober 2010 war die Gruppentherapie zu Ende und im Juni 2011 war meine letzte Einzeltherapiesitzung.Ich bin mit einer guten Prognose gegangen,ich hätte so viel selbsterhaltendes und gesundes Potential,das sich über die Jahre gezeigt hätte,dass ich es schaffen würde…

…Manchmal frage ich mich,ob mein Therapeut nicht zu optimistisch war,denn ich habe ihm die vielen Rückfälle verschwiegen.Aber ich glaube,dass doch was Wahres daran ist.Denn ich hatte so oft den Punkt in meinem Leben,dass ich dachte,es würde nicht mehr weiter gehen und dann habe ich doch die Kraft gefunden weiterzuleben.Ich bin jetzt 26 verdammt,da muss man doch endlich mal leben wollen und so schlecht ist mein Leben echt nicht.Es ist anstrengend,aufreibend und stressbeladen,aber ich lebe…Vielleicht bin ich das meinem Papa und meiner Schwetser schuldig,die beiden sind gestorben als die 40 bzw. 13 Jahre alt waren,kein Alter zum Sterben.Ich lebe (auch wenn ich mir 1000 mal gewünscht habe,dass es besser gewesen wäre,wenn ich gestorben wäre statt meiner Schwester.Ich war mit 17 schon ziemlich krank,aber sie war erst 13,da hatte sie ihre Leben noch vor sich), ich weiß zwar nicht mit welchem Recht ich lebe und meine kleine Schwester mit 13 sterben musste,aber vielleicht gibt es dafür keinen Grund.Menschen leben und sie sterben,so ist das Schicksal und keiner hat gesagt,dass das Schicksal gerecht wäre… Vielleicht ist es mein Schicksal zu leben und immer wieder zu kämpfen?