Ich hab mich in den letzten Tagen relativ viel mit dem Thema Bulimie beschäftigt,nicht dass ich nach 13 Jahren nicht das meiste schon wüsste.Hab versucht zu recherchieren,wie so die Heilungschancen sind und je nachdem,welche Studie,welchen Zeitraum und welche Definition von "geheilt" man zu grunde legt (also nur Symptomfreiheit oder noch mehr) gibt es da recht unterschiedliche Zahlen.Ich hab so Zahlen in folgendem Spektrum gefunden 40-60% werden vollständig gesund,20-30% genesen partiell und 10-40% entwickeln eine chronische Bulimie,die Todesrate liegt wohl bei etwa 0,5%.Naja,grundsätzlich gilt,je länger die Bulimie andauert und je mehr zusätzliche Erkrankungen (Depressionen, Ängste, Substanzmissbrauch) dazu kommen desto ungüstiger sind die Heilungschancen.

Bei meiner Vorgeschichte und angesichts der langen Zeit,die ich schon mit der Bulimie lebe (seitdem ich 14 bin war die längste Zeit ohne Symptome 6 Monate) ist die Prognose jetzt nicht mega toll,das ist mir schon klar.Ich denke mir oft,dass sich die Esstörung bei mir auch schon chronifiziert hat,weil ich häufig gar keinen Grund für's Essen und Kotzen brauche und das teilweise ganz automatisch abläuft.So richtig glauben tue ich an eine vollständige Genesung nicht (mehr),also in dem Sinne, dass ich vollkommen symptomfrei bin,nicht mehr ans Essen/Gewicht/Abnehmen denke und mich in meinem Körper so richtig wohl fühle.
Ich bin kein Hellseher und vielleicht passiert ja doch noch etwas ganz Unvorhergesehenes,dass die Bulimie vollständig weggeht,aber wenn ich realistisch bin,dann ist eine vollständige Heilung eher utopisch.Ich würde mich schon freuen,wenn ich zu den 20-30% gehören würde,bei denen sich die Bulimie bessert und da habe ich die Hoffnung auch noch nicht aufgegeben.
Sonst bräuchte ich ja auch nichts mehr unternehmen in Richtung Therapie,aber ich hoffe schon,dass ich mit dem Fluoxetin, der Essstörungsgruppe und dann auch mit der Verhaltenstherapie so weit kommen werde,dass ich mit der Bulimie halbwegs klarkomme,dass ich mein Leben selbst in der Hand habe und ich durch die ES nicht vollkommen eingeschränkt bin.

Ich bin nicht voller Energie und Motivation, die Bulimie endgültig zu besiegen,denn ich weiß nicht ob diese Aufgabe nicht vielleicht zu groß ist und ob es dafür nicht einfach schon zu spät ist.Klar,es ist nie zu spät etwas zu ändern,aber eine Krankheit,die einen das halbe Leben begleitet,loszuwerden ist verdammt schwer. Deswegen versuche ich mir das Ziel zu setzen,die Bulimie möglichst zurückzudrängen,ihr nicht mehr so viel Macht über mich und Raum in meinem Leben zu geben,ich will mein Leben wieder im Griff haben.Ich glaube nur,dass die Essstörung ein Teil davon bleiben wird,zwar hoffentlich in weit geringerem Maße als jetzt und ich will auch nie wieder so tief drin stecken wie 2007/08,aber ich will realistisch sein.13 Jahre Bulimie begleitet von Depressionen,SVV und der Neigung zum Alkohol,das lässt sich nicht einfach abschütteln.

Liebe Grüße Charlotte

im Juli 2013